Der "Conseil International des Organisations de Festivals de Folklore et d’Arts Traditionnels (CIOFF®)"
wurde 1970 in Frankreich als nichtstaatliche Kulturorganisation der UNESCO gegründet.
Der spätere Beitritt Deutschland muss differenziert gesehen werden, da es seinerzeit noch zwei deutsche Staaten gab.
1973 nahm erstmals eine Delegation der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am Jahrestreffen der CIOFF® in Zakopane/Polen
teil. Daraus erfolgte 1974 die Teilnahme am internationalen Folklorefestival in Confolens/Frankreich durch das
Folklore Ensemble aus Rudolstadt und an weiteren Festivals, die auf Initiative von CIOFF® stattfanden.
Bis 1976 nahm das Ministerium für Kultur die Mitgliedschaft im CIOFF® wahr, danach wurde das Sekretariat
für internationale nichtstaatlich Organisationen des künstlerischen Volksschaffens gegründet. Es hatte unter anderem die
Aufgabe, die Arbeit in den entsprechenden internationalen Organisationen mit den jeweiligen Trägerorganisationen zu
koordinieren. In diese Epoche fiel u. a. auch 1983 der CIOFF®-Weltkongress in Gera.
Bis zum Jahr 1990 verblieb der CIOFF® der DDR unter dieser Federführung.
In der Bundesrepublik Deutschland schlossen sich im Jahre 1975 die Veranstalter der Festivals aus Neustadt, Scheeßel, Laggenbeck, Kröv, Bitburg, Wehrheim, Burg Ludwigstein und Marburg-Biedenkopf zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Im gleichen Jahr nahm Bernd Schäfer erstmals an der CIOFF®-Jahreshauptversammlung in Szeged/Ungarn teil. Am 01.06.1977 wurde er dann auch von der "Gemeinsamen Kultusministerkonferenz der Länder" als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im CIOFF®-Weltverband anerkannt. Im Mai 1976 wurde bereits die erste Sitzung des Vorstandes der Internationalen CIOFF® in Schlitz/Hessen durchgeführt.
1977 beschloss die Vollversammlung der CIOFF® auf ihrer Jahrestagung in Istanbul/Türkei, in den Mitgliedsländern Sektionen
zu gründen. Das war der Anlass, am 18.02.1978 ein erstes Treffen zur Gründung einer nationalen deutschen CIOFF®-Sektion
in Schlitz einzuberufen. Nach ausgiebigen Diskussionen wurde beschlossen, ein weiteres Treffen im Oktober in Scheeßel
durchzuführen.
An dieser Tagung nahm erstmals auch eine Abordnung aus Luxemburg teil, die Interesse an einer Mitgliedschaft
bekundete. Es wurde ein Satzungsentwurf erarbeitet, der auf der nächsten Sitzung endgültig verabschiedet werden sollte.
Das Gründungsprotokoll wurde von folgenden Organisationen unterzeichnet: Trachtengruppen Angersbach, Schlitz, Cölbe,
Lauterbach, Heppenheim, Wehrheim, Jugendburg Ludwigstein alle Hessen, Laggenbeck/Westfalen, Scheeßel und Hermannsburg aus
Niedersachen, Mersch/Luxemburg und dem Verkehrsverein Kröv/Mosel.
Die nächste Zusammenkunft fand im März 1979 in Cölbe statt. Dort wurde die Satzung nochmals überarbeitet und endgültig
ohne Gegenstimmen beschlossen. Es wurde der Passus eingearbeitet, dass sich die Aktivitäten der CIOFF®-Sektion Deutschland
auch auf das Grossherzogtum Luxemburg erstrecken.
An allen diesen Sitzungen wirkte der belgische CIOFF®-Delegierte Siegfried Verbeelen tatkräftig mit. Er hatte
entscheidenden Anteil daran, dass alles so schnell und so reibungslos innerhalb nur eines Jahres abgeschlossen werden konnte.
Im Herbst des gleichen Jahres konnte dann in Wehrheim/Taunus erstmals ein Vorstand gewählt werden.
Im April 1983 fand die Vorstandssitzung des Weltverbandes in Mersch/Luxemburg statt. 1984 hatte sich die nationale
CIOFF®-Sektion, nach dem die UdSSR die bereits zugesagte Durchführung der Tagung der internationalen CIOFF® kurzfristig
absagen musste, bereit erklärt, diese Tagung in Schlitz durchzuführen. 67 Delegierte aus 34 Nationen waren bei der
Veranstaltung vertreten.
Bei der Jahrestagung der nationalen CIOFF® im September 1988 in Scheeßel fand anlässlich des 10-jährigen Bestehens
eine Jubiläumsveranstaltung statt. Das Rahmenprogramm wurde von einigen Mitgliedsgruppen folkloristisch gestaltet.
Alle Teilnehmer wurden kostenlos bei Familien untergebracht.
Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten gab es im Oktober 1990 erstmals eine gesamtdeutsche Tagung. Man
war sich einig, dass die Satzung den neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse. Zukünftig sollten alle Personen, die ein
Amt im Weltverband innehaben, automatisch Vorstandsmitglieder der nationalen Sektion werden. Rosemarie Engel, langjährige
Delegierte der DDR, wurde daher kommissarisch in den Vorstand berufen. Bei Inkrafttreten der neuen Satzung wurde auch die
Gemeinnützigkeit beantragt, die 1993 erteilt wurde.
Im Jahre 2001 nahmen Hans Joachim Wiesenmüller und Bernd Schäfer an einem Empfang bei Herrn Bundespräsident Rau
teil. Die Mitglieder der deutschen Delegationen haben sich immer auf internationaler Ebene tatkräftig eingebracht und
mitgearbeitet. Rosemarie Engel war von 1981 bis 2000 Mitglied der "Legal Commission" (Statutenkommission). Bernd Schäfer
ist seit Gründung der Festival-Kommission 1989 bis heute Mitglied dieser Arbeitsgruppe und Herausgeber des
CIOFF®-Festivalkalenders. Norbert Müller ist seit 1997 ebenfalls Mitglied der Festivalkommission, seit 2002 deren
Vorsitzender und gehört somit auch dem Vorstand des Weltverbandes an. Susanne Kramer, Mitglied der Festivalkommission seit 2000,
wurde auf der Tagung des Gesamteuropäischen Sektors in Leoben/Österreich im Jahr 2007 als dessen Vertreter gewählt.
Auch sie gehört dem Vorstand des Weltverbandes an.
Seit 2005 ist die CIOFF®-Sektion Deutschland kooperatives Mitglied des Deutschen Trachtenverbandes (DTV).
Am 18.09. 2004 feierte die CIOFF®-Sektion Deutschland in Scheeßel ihr 25-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wurde auf die
Gründung der CIOFF®-Sektion der damaligen Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1978 zurückgeführt. Auf der Jahrestagung in
Schwalenberg im September 2005 wurde beschlossen, die erstemalige Teilnahme eines deutschen Delegierten an der
internationalen CIOFF® Konferenz in 1973 in Zakopane/Polen, als endgültiges Gründungsdatum der CIOFF®-Sektion Deutschland
anzunehmen.